MENTALE VERBEN ALS BESTANDTEILE VON PHRASEOLOGISMEN DES
DEUTSCHEN
Auf der
Ebene der semantischen Klassen von deutschen Verben stehen die Kognitionsverben bzw. Verben der
mentalen Aktivität (traditionell ‘Verben des Denkens und Urteilens’ genannt).
Die mentalen sprachlichen Einheiten als Gegenstandsbereich des vorliegenden
Beitrags sind Verben, „die innere, geistige Zustände oder Vorgänge beschreiben,
z. B. den Besitz, den Erwerb, den Verlust oder Wiedererwerb bzw. die
Reaktivierung einer Kenntnis und die Vermutung gegenüber Sachverhalten",
also etwa wissen, kennen, glauben,
vergessen [1, 151; 4; 5, 9]. Die Aufdeckung und Aufstellung dieser Klasse
von Lexemen und deren thematischen Gruppen werden durch die objektive
Wirklichkeit bedingt und sind für das lexikalisch-semantische System jeder
Sprache wichtig.
Innerhalb
dieser semantischen Klasse lassen sich im Deutschen die Verben des Wissens
aussondern, zu denen aufklären,
auffassen, sich auskennen, beherrschen, begreifen, belehren, beibringen,
erfahren, erfassen, erkennen, kennen, lehren, lernen, merken, studieren,
verstehen, wissen u. a. zählen.
Identifizierende
Bedeutungen dieser Lexeme fallen meistens mit den entsprechenden Bedeutungen
der Verben wissen / kennen zusammen:
‘(spezielle) Kenntnisse im bestimmten Bereich haben’, ‘über praktische
Fertigkeiten für die Umsetzung der Kenntnisse verfügen’, ‘sich in etwas
auskennen’, ‘über Informationen aus eigener Erfahrung oder aus einer anderen
Quelle verfügen, sie behalten und an andere weitergeben’, ‘mit jmdn. / etw.
vertraut, bekannt sein’, ‘über jmdn. / etw. Bescheid wissen’, ‚erkennen’.
Das Ziel
dieses Beitrags besteht darin, die Phraseologismen aufzudecken, die in ihrer
Struktur die oben aufgezählten Verben als Bestandteile enthalten. Es wurden 48
Phraseologismen mit dem Verb wissen, 20
Phraseologismen mit kennen, 17 mit verstehen und einige Phraseologismen mit
den Verben begreifen, belehren, erfahren,
erkennen, lernen, merken festgestellt. In den meisten Phraseologismen
behalten die Verben des Wissens ihre identifizierenden Bedeutungen. Die
Bedeutung ‚gründliche Kenntnisse’ drücken z. B. folgende Phraseologismen aus: gelernt ist gelernt, etw. in- und auswendig kennen, seine Pappenheimer
kennen. Die Bedeutung ‚sich in etw. sehr gut auskennen’ geben die Einheiten
etw. wie seine Hosentasche/wie seine
Westentasche/wie seine eigene Tasche kennen, etw. aus dem Effeff verstehen wieder. Die Phraseologismen seine Sache verstehen, sein Handwerk
verstehen, aus dem Effeff können realisieren die Bedeutungen ‘spezielle
Kenntnisse im bestimmten Bereich haben’, ‘über praktische Fertigkeiten für die
Umsetzung der Kenntnisse verfügen’.
Es wurden
auch die Phraseologismen ausgesondert, die negative Bedeutungen ausdrücken:
‚gar keine Kenntnis von etw. haben, sich in etw. nicht auskennen’, ‘geringe
Kenntnisse von etw. haben’, ‘nicht verstehen, nicht begreifen können’. Zum
Beispiel etw. soviel verstehen wie der Hahn vom Eierlegen/wie die Kuh vom
Radfahren/wie die Kuh vom Sonntag/wie die Kuh vom Schachspielen; [immer] nur
Bahnhof verstehen; weder gicks noch gacks verstehen; weiß der Geier!; was weiß
ich; weiß der Kuckuck! (gar keine Kenntnis von etw. haben, sich in etw.
nicht auskennen). Etwas nur vom
Hörensagen wissen [kennen]; jmd. merkt [aber] auch alles!; jmdn. eines
anderen/eines Besseren belehren (geringe Kenntnisse von etw. haben, nicht
genug wissen). Das begreife, wer will;
die Welt nicht mehr verstehen; Bahnhof verstehen; keinen Spaß verstehen (nicht
verstehen).
Phraseologismen
mit den Verben des Wissens können auch andere Bedeutungen realisieren wie Zorn,
Wut (sich nicht mehr kennen; weder Maß
noch Ziel kennen); Verwirrung (nicht
aus und ein wissen; weder aus noch ein wissen); Zweifel, Unbeholfenheit (man kann nie wissen; sich keinen Rat wissen;
sich nicht zu raten noch zu helfen wissen); Gleichgültigkeit (da kennt jmd. [gar] nichts; das kenne ich
nicht; keine Nerven kennen; von jmdm., etw. nichts [mehr] wissen wollen);
Drohung (du sollst [wirst] mich noch
kennen lernen!; ihm werde ich’s schon beibringen!).
Die Analyse
der ausgewählten sprachlichen Einheiten ergibt, dass die Phraseologismen, deren
Bestandteile mentale Verben, d. h. Verben des Wissens sind, einen hohen
kommunikativen Wert in der deutschen Gegenwartssprache besitzen, insbesondere
Einheiten mit den Verben wissen, kennen,
verstehen. Die Verben des Wissens als Bestandteile von Phraseologismen
behalten meistens ihre identifizierenden Bedeutungen. Es findet sich aber eine
besondere Gruppe der Phraseologismen, die auch andere, sich von den
Kernbedeutungen der Verben des Wissens unterscheidende Bedeutungen realisieren
Література
1. Васильeв
Л.М. Семантика русского глагола: [учебн. пособие для слушателей фак. повышения
квалификации] / Л.М. Васильeв. – М. : Высшая
школа, 1981. – 184 с.
2. Duden
„Bedeutungswörterbuch“ / hrsg. und bearb. von W. Müller. Unter Mitw. folgender
Mitarb. D. Dudenred. : W. Eckey – 2., völlig neu bearb. u. erw. Aufl. –
Mannheim; Wien; Zürich : Bibliographisches Institut, 1985. – 797 S.
3. Duden –
Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten / Wörterbuch der deutschen Idiomatik
/ hrsg. und bearb. Von G. Drosdowski und W. Scholze-Stubenrecht. – Mannheim;
Leipzig; Wien; Zürich : Dudenverl., 1992. – 864 S.
4. Helbig G.
Mentale Konzepte: Verbtypologie 3 / G. Helbig, J. Buscha // Deutsche Grammatik.
Ein Handbuch für den Ausländerunterricht (Neubearbeitung). - Berlin [u.a.] :
Langenscheidt, 2001. – 656 S.
5. Denken, verstehen, wissen. Eine
sprachvergleichende Untersuchung zu lexikalischen Bezeichnungen mentaler
Tätigkeiten, Vorgänge und Zustände / V. Voß. – Münster : Monstenstein & Vannerdat, 2009. – 528 S.
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