пятница, 24 апреля 2015 г.

К.О. Барсукова м. Кривий Ріг (Германістика)

METAPHORISCHE VERBEN DES SPRECHENS IM ROMAN
„DIE ILSE IST WEG“ VON CHRISTINE NÖSTLINGER
Die Verben des Sprechens zählen im Gegenwartsdeutschen zu den Hauptrepräsentanten des kommunikativen Bereichs der Sprechtätigkeit. Das ganze Inventar von Verben des Sprechens wird im lexikalisch-semantischen Feld (LSF) organisiert, dessen Kern Lexeme sagen, sprechen, reden, schweigen bilden. Im LSF des Sprechens lassen sich lexikalisch-semantische Gruppen (LSG) und Subgruppen aussondern.
Die Aufgabe des vorliegenden Beitrags ist die Analyse der Verben des Sprechens, die der Charakterisierung einer Person dienen. Sie konstituieren die folgenden zwei LSG:
1) die LSG der Verben des Sprechens, die die Lautintensität (wispern, flüstern, reden, rufen, schreien, jammern, brüllen, grölen, kreischen), die Deutlichkeit des Artikulierens (skandieren, nuscheln, murmeln), die Tonhöhe (brummen, kreischen, quieksen) u. a. m. charakterisieren; 2) die LSG der Verben des Sprechens, die die Emotionen der Teilnehmer des Redeprozesses (loben, schimpfen, fauchen, meckern, zischen) ausdrücken.
Wir zählen die Verben des Sprechens zu der sogenannten Portrait-Lexik und gehen dabei davon aus, dass unter Portrait nicht nur statisches (die Beschreibung von anatomischen Details, Gesichtszügen, Körper, Kleidung, Frisur), sondern auch dynamisches Portrait (Mimik, Gesten, Besonderheiten des Redeverhaltens) verstanden wird.
Die Analyse der beiden LSG hat ergeben, das für ihre Konstituenten die Metaphorisierung der Ausgangsbedeutung kennzeichnend ist. Der Metaphorisierung liegen Laute, die von Tieren produziert werden (brüllen, brabbeln, zischen); Laute aus der Natur und Umgebung (tönen, brummen); konkrete Handlungen, die der Mensch in seinem Alltagsleben ausführt (auspacken, eröffnen, herfallen, austauschen) zu Grunde. Die Anzahl dieser Verben geht an die 40 Einheiten. Die frequentesten und produktivsten sind die Verben, die ihre metaphorischen Bedeutungen auf der Grundlage des Vergleichs mit der Tierwelt entwickeln. Wir sondern drei Subgruppen aus:
1) Verben mit der Bedeutung von Lauten, die Insekten (Bienen, Fliegen, Zirpen) von sich geben: summen, grummeln, zirpen;
2) Verben mit der Bedeutung von Lauten, die Vögel (Tauben, Hähne, Möwen, Wellensittiche) von sich geben: gurren, krächzen, krähen, kreischen;
3) Verben mit der Bedeutung von Lauten, die andere Tiere (Hunde, Katzen, Ziegen, Schweine, Bären, Löwen, Tiger, Elefanten, Mäuse, Schlangen u. a. m.) als Insekten oder Vögel von sich geben: bellen, blöken, brabbeln, brüllen, brummeln, brummen, fauchen, gackern, grunzen, kläffen, knurren, meckern, piepsen, quaken, quieken, quieksen, quietschen, schnattern, trompeten, wimmern, zischen.
Wie die Analyse ergibt, sind die Grenzen zwischen Gruppen und Subgruppen der betreffenden Verben nicht immer deutlich und lassen in manchen Fällen die Übergänge aus einer Subgruppe in die andere zu. Da ein und dasselbe Verb die Lautstärke, die Deutlichkeit des Artikulierens, die Tonhöhe bezeichnen und die emotionale Bewertung ausdrücken kann, schließt diese Klassifikation die Möglichkeit nicht aus, dasselbe Verb den unterschiedlichen LSG zuzuordnen.
Um die Semantik des Wortes genauer zu erschließen, sollte man nicht nur seine systematische Bedeutung und Beziehungen zu anderen lexikalischen Einheiten aufdecken, sondern auch die Funktionen des Wortes im Text analysieren. Das Wort als Zeichen wird zum Signal, zum materiellen Informationsträger nur, wenn es aktualisiert, durch ein kompliziertes Beziehungssystem umfasst wird, das es mit anderen Zeichen und einer konkreten Situation im Ganzen verbindet [1, 105–106].
Als Material zur Analyse des Funktionierens von metaphorischen Verben des Sprechens im literarischen Text wurde der psychologische Roman „Die Ilse ist weg“ der österreichischen Schriftstellerin Christine Nöstlinger gewählt.
Der Hauptbereich des Funktionierens der betreffenden Verben in diesem Roman ist deren Gebrauch in den Konstruktionen mit der direkten Rede: „Na, jetzt ist es besser, du Trottel!“, fauchte die Ilse. Ich kann leider nie eine richtige Wut bekommen [2, 10]. „Wegen ihrer Schwester!“, brüllte die Oma in der Lautstärke, in der sie zu Opa spricht. Die Amtsrätin zuckte erschrocken zusammen [2, 87]. Und auf einmal galoppierte sie wie eine Furie ins Bad, riss den Spiegelschrank auf, kreischte: „Da, da, da! Alles hat sie! Alles!“, und warf die ganzen Kosmetiksachen von der Ilse aus dem Schrank [2, 26]. Ich habe sonst keine Waldmausstimme, doch als ich „Ich, bitte“ sagte, piepste ich wie das jüngste Kind der Waldmaus [2, 54]. „Kurt!“, zischte sie. „Ich finde, du benimmst dich grotesk! Alles hat seine Grenzen!“ [2, 69].
In den angeführten Beispielen dienen die metaphorischen Verben des Sprechens der Charakterisierung von Romanfiguren und ihren Redebesonderheiten sowie dem Ausdruck ihres emotionalen Zustands wie Aufregung, Empörung, Wut, Zorn, Angst, Unzufriedenheit.
Die Romanfiguren schreien schrill, kreischen; ihre groben und lautstarken Stimmen klingen wie das Brüllen eines Löwen, das böse Zischen einer Schlange, das Fauchen einer Katze oder sie sprechen mit piepsenden und quietschenden vor Aufregung oder Angst Stimmen.
Auf der Grundlage der durchgeführten Analyse lässt sich zusammenfassen, dass metaphorische Verben des Sprechens als Repräsentanten des Bereichs der kommunikativen Sprechtätigkeit nehmen einen besonderen Platz im betreffenden LSG ein. In literarischen Texten sind die untersuchten Lexeme vorwiegend in den Konstruktionen mit direkter Rede zu finden. Metaphorische Verben des Sprechens kommen als bildhafte Mittel der Charakterisierung vom Redeverhalten der Figuren vor.
Література
1. Ушакова Т.Н. Речь человека в общении / Т.Н. Ушакова, Н.Д. Павлова, И.А. Зачесова. - М. : Наука, 1989.

2. Nöstlinger Ch. Die Ilse ist weg / Ch. Nöstlinger. – München : Langenscheidt, 2009. – 103 S.

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